Der MGV Hasselsweiler ist vermutlich der einzige Chor NRW’s, der über ein eigenes Kultumobil verfügt, einen VW-Bus, der in der Jugendarbeit eingesetzt wird. Das ist nur ein Steinchen in einem ganzen Mosaik voller Ideen, die den MGV Hasselsweiler auf neue Wege geführt haben. Die Kreativität lohnt sich: Hasselsweiler ist ein junger Männerchor, vom Altersdurchschnitt her sogar der jüngste im Sängerkreis Düren. Knapp die Hälfte der 25 Mitglieder ist zwischen 18 und 30 Jahren alt. „Mindestens ein neuer Sänger pro Jahr, das ist unsere Strategie“, erläutert Vorsitzender Helmut Lieven, der seit 30 Jahren dabei ist. Die Sänger sind gut vernetzt im Dorfleben des 600-Seelen-Ortes Hasselsweiler in der Gemeinde Titz, schließlich besteht der MGV schon seit dem Jahr 1881. Sie machen Schnupperabende und sprechen potenzielle Mitglieder direkt an. Lieven: „Das hat Vorteile: Wir bleiben jung und können ein Stück nach vorne schauen. Aber der Nachteil ist: Wenn Sie ein Lied wieder aus dem Schrank holen, können die Neuen das nicht singen.“ Also entschloss sich der Chor vor einigen Jahren unter dem neuen Chorleiter Ralph Over zu einem radikalen Schritt. Lieven: „Wir haben gesagt: Dann fangen wir eben alle wieder bei Null an. Man muss einfach ein bisschen flexibler mit den Dingen umgehen.“

Chorleiter Over komponiert selbst gerne und erfolgreich, mit ihm hat der Männergesangsverein gewagt, das Repertoire und die Auftrittsformen Schritt für Schritt zu verjüngen. „Die neuen Stücke, die der Chorleiter für uns geschrieben hat, orientieren sich an den Klangstärken des Chores“, betont Lieven. Vor allem mit dem neuen Format der Musikbühne präsentiert sich der Chor im neuem Stil einem Publikum über die klassische MGV-Klientel hinaus. „Neben den neuen Stücken versuchen wir, vorhandene Lieder mit neuen, schauspielerischen Elementen zu versehen, die man von uns nicht erwartet. Wir spielen auch Videosequenzen ein. Über diese Art von Interpretation versuchen wir, ein neues Gesicht zu zeigen“, schildert Lieven. So sind die Hasselsweiler auch Verein der Woche im Altkreis Jülich geworden, darauf sind sie stolz. Für den Vorstand besteht die Aufgabe darin, alle Sänger auf diesem Weg mitzunehmen. „Es muss eine Gratwanderung geben zwischen Leistung und Weiterentwicklung, aber der Spaß darf nicht zu kurz kommen.“ Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist wichtig, und das funktioniert ja nicht nur über das Singen.

Jetzt ist der Chor so fit im neuen Konzept, dass er neben den traditionellen Aufgaben in der Gemeinde, dem Tanz in den Mai und dem Weihnachtssingen am 3. Advent, zusätzlich neue Auftrittsmöglichkeiten wahrnehmen möchte. „Wir wollen bewusst die Erwartungen an Männerchor-Klischees unterlaufen. Wir möchten dem Publikum zeigen, wie man den Männerchorklang auf neue Weise erleben kann. Wir müssen den Liederabend 2.0 neu denken.“